Samstag, 17. November 2018

 

Das kompetente Kind

Vor einem Jahrhundert erkannte die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori die prägende Kraft aller frühkindlicher Erlebnisse für die Entwicklung eines Menschen.

pixabay_id011_1.jpgSeit dem haben wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder bestätigt: die Erfahrungen in den ersten Jahren sind entscheidend für die emotionale Stabilität des Kindes und späteren Erwachsenen, und in den ersten Jahren seines Lebens lernt der Mensch so schnell, so viel - und all dies mit einer Leichtigkeit – wie nie mehr in seinem späteren Leben.

Nur Kinder die von freundlichen und verständnisvollen Erwachsenen begleitet werden, die ihnen mit Liebe und Respekt begegnen, können die emotionale Sicherheit gewinnen, die sie für ihre Entwicklung brauchen und die dem Kind hilft sich aufmerksam, konzentriert und neugierig auf seine Umwelt einzulassen, sich Wissen anzueignen und so zu einem selbständigen (selbsttätigen) selbstbewussten Erwachsenen zu werden.

Die Erfahrung, bedingungslos genauso wie man IST angenommen, geachtet und geliebt zu werden (und nicht durch das, was man TUT), ist maßgeblich prägend für das Selbstvertrauen und Voraussetzung für das Vertrauen in die Welt.

Zuversichtliche Kinder, die sich ihrer eigenen Kompetenzen und Talente bewusst sind, zeigen Interesse an ihrer Umgebung und die Lust und den Mut diese zu entdecken.

„Kinder sind anders“, das hatte M. Montessori schon vor 100 Jahren erkannt: d.h. Kinder denken anders und nehmen anders wahr als Erwachsene, lernen also auch auf ihre Weise.

Aus diesem Wissen entstand die Erkenntnis:“ Die Pädagogik hat also Forderungen aufzustellen, die sich an den Erwachsenen richten und nicht an das Kind“.

Es sind die Kinder, die unsere Aufmerksamkeit verdienen, sie sind es, die uns durch ihr Verhalten zeigen, was sie brauchen und was sie wissen wollen. pixabay_id013_1.jpg

Kinder sind keine leeren Gefäße, die mit Wissen gefüllt werden wollen, sondern eigene, ernstzunehmende Personen, die einen großen Reichtum an Kompetenzen in sich tragen und nur den Rahmen brauchen, um aus sich selbst heraus diese Potentiale zu entwickeln.

In der entsprechend vorbereiteten Umgebung und mit dem geeigneten Material lernt das Kind aus eigenem Antrieb, mit Lust und Freude und ohne die wertenden Kommentare des Erwachsenen.

„Von der Hand in den Kopf“ – auch dies ist ein Grundgedanke der Montessori-Pädagogik. Nur das, was ein Kind im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann, wird sich dem Kind als Lernerfahrung einprägen. Auf dieser Grundlage entwickelte Frau Montessori ihr pädagogisches Material.

"Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen“

Jedes Kind hat seinen individuellen Entwicklungsstand, seine eigenen Interessen und Kompetenzen.

Das Montessorimaterial gibt jedem Kind die Möglichkeit zu seiner Zeit und in seinem eigenen Tempo damit zu arbeiten, um so Einsichten in vielfältige Bereiche zu gewinnen. Fehlerkontrolle wird durch das Material selbst gegeben und nicht durch Hinweise des Erwachsenen. Der Erwachsene nimmt sich zurück, nachdem er das Material eingeführt hat, vertraut auf die Fähigkeiten des Kindes und trägt Sorge, dass das Kind bei seiner Arbeit nicht gestört wird.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13. Mai 2018 )